Freitag, 30. Juli 2010
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Nr. 10 v. 18.07.07: Belauscht und beobachtet Drucken E-Mail

Das LISTHAUS ist groß. Wer in der Dohnanyiyistraße gemietet hat, sieht nur wenige von den Nachbarn aus der Rosa-Luxemburg-Straße. Und wer am Listplatz residiert, kennt die Vergnüglichkeiten nicht, die man als Hofanrainer hat. Ich schaue in den ersten Hof der Funkhaus-Passage (von der Rosa-Luxemburg-Straße kommend) und kann ein bißchen berichten.

Schön ist der Hof geworden. Akkurat gepflastert, alle Betonteile mediterran gestrichen und eine hübsche Begrünung.

Meistens ist es ruhig im Hof. Ab und zu kommen Leute aus den Büros, weil sie rauchen wollen und drinnen nicht dürfen. Beginne ich zeitig mit der Arbeit, kann ich 3B-Mitarbeiter beobachten, die liegengelassenen Unrat beseitigen. Schumanns Büro-Opel fährt davon, hin und wieder kommen Passanten. Aber plötzlich ist der Hof voll:

Schulpause. Eine Unterrichtseinheit lang mussten die Schüler das ungezwungene Reden unterdrücken – auf dem Hof ist nun Gelegenheit dazu. Von den Bänken vor der offenen Bürotür gelangen Nachrichten wie diese herein:

"Jens ist echt scharf den ziehe ich mir rein da kann Claudi die is sowieso bescheuert mit ihrm Arsch wackeln was sie will."

"Ich hänge dauernd im dritten Level rum gestern hat noch die Soundkarte gecrasht bin voll breit."

"Elvira hat sich sterilisieren lassen, kannst Du das verstehen?"

 
Blüte einer Taglilie
Die Blüte einer Taglilie

Nein, kann ich nicht, ich war aber auch nicht gefragt worden. Es entsteht das leise Bedürfnis, die Tür zu schließen. Gedankt sei's dem Schuldirektor, die Pausen sind kurz.

Das war eher eines der netten Erlebnisse. Traurig dagegen wird's, wenn man sehen muss, wie die armen LISTHAUS-Besucher im Kreis um die Betonbecken herumirren und den richtigen Eingang ins Gebäude suchen. Wie oft haben Menschen, denen das LITHAUS nahe steht, schon um ein Leitsystem gebettelt? Jeder Irrgarten erschließt sich leichter als dieses große Objekt.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob ein Leitsystem wirklich nützen würde. Es müsste nämlich gut sein. Wäre es das nicht – leicht zu denken –, fänden wir als langjährige Mieter dann vielleicht unsere eigenen Büros nicht mehr. Was also tun?

Apropos Betonbecken. Jetzt ist bekannt, welchen Zweck sie haben. Sie sind Verteidigungsstellungen, können angegriffen und erobert werden. Stellen Sie sich Jugendliche vor, bewaffnet mit Luftdruckpistolen. Eher Spielzeugwaffen, aber sie machen ein Geräusch und es fliegt etwas Kleines durch die Luft.

Die jungen Leute legen auf den Mauern an, beschießen Gegenstände und sich gegenseitig, suchen gegenüber Deckung, springen in die Becken und wieder heraus. Die virtuelle Spielewelt quillt aus den Konsolen heraus. Hier an einem späten Nachmittag beobachtet. Ein Spuk von zehn Minuten Dauer. Danach war wieder Frieden. Materielle Schäden gab es wohl nicht und die Personenschäden waren schon vorher und allmählich eingetreten.

Es ist nicht zu leugnen, das Leben im LISTHAUS und drum herum hat verschiedene Facetten. Auch solche gibt es.

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